Budapest – Charme vergangenen Zeiten

Als unsere Freunde mitbekommen haben, dass wir einen Kurztrip nach Budapest planen, gucken sie uns mit verdutzten Augen an, als ob wir Alien sind. Na ja, wir hatten nur ein paar Tage frei und für Kurzentschlossenen sind alle Flüge der Discount-Airlines entweder ausgebucht oder die Ticketpreise sind alles andere als billig. Florenz, Warschau, Rom …. Man muss schon mindestens mehr als 3 Monate seinen Urlaubsantrag eingereicht haben, und die Kinder dürfen entweder jünger als 6 oder älter als 19 Jahre alt sein, damit man außer Reichweite jeglicher Ausbeutung der Reiseveranstalter sei.
Mit Eurowings (ca. 100 das Ticket) sind wir ab Köln/Bonn los geflogen, am Budapest Liszt Ferenc Flughafen mit dem Bus 200E zur Metrostation Kobanya-Kispest, dort umsteigen auf Metro M3 bis zur Station Deak Ferenc ter. Ganz easy. Wir haben aber vorher auch viel recherchiert. Und Forint zu ungünstigem Umtauschkurs am Flughafen mitgenommen. Überflüssig. Der Fahrscheinautomat akzeptiert auch Kreditkarten und Vorort bekommt man ungarisches Geld an jeder Ecke umgetauscht.
Zu unserer angenehmen Überraschung lag die Ferienwohnung, die wir über booking.com gebucht haben, Sas utca 4, nicht sehr weit weg von der Metro-Station. Es war kein 4-Sterne-Schlafplatz aber Toplage, sauber, vier Nächte für 180 €, nur ein paar Schritte bis zur Kettenbrücke oder St.-Stephans-Basilika, hängt davon ab, ob man rechts oder links gehen will.
Es gibt genügend Reiseführer über Budapest, unsere Empfehlung ist: Hop-On-Hop-Off BigBus, 3 Tage inklusiv Thermalbad und Kreuzfahrt auf der Donau für ca. 38 € pro Nase, normalerweise nur für 2 Tage, aber anscheinend reduziert, weil April nichtgerade Hochsaison war. Übrigens, ursprünglich wollten wir das Rudas Bad besuchen, laut Reiseführer „eines der schönsten erhaltenen Beispiele der antiken Bäderkultur in Budapest“. Endlich da, nach langem Fußmarsch unter der prallen Sonne, haben wir erfahren, dass an dem Tag getrenntes Baden galt. Total genervt, frustriert und verdurstet erreichten wir das Gellért Badeanstalt etwa 500m weiter entfernt.  Das Thermalbad ist nicht so „steril“ wie man es hier in Deutschland kennt, ist aber ein Besuch wert, vor allem wenn man sich etwas Relaxing wünscht, ohne an Strand und Meer festklammern zu müssen.
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Wir sind Kaffee-Genießer, d.h. wir sitzen gern irgendwo gemütlich mit einer Tasse Kaffee, am liebsten draußen, wenn es warm ist, und betrachten das Leben auf der Straße, einfach so. Budapest ist für uns genau das Richtige: der Kaffee kostet zwischen 1,50 € und 1,60 €, kostenloses wi-fi, und jedes Café hat einen anderen Flair, von elegant bis nostalgisch, von traditionell bis trendy. Nur Starbucks Cafés sehen überall gleich aus, auch in Budapest. Und eine Latte beim New York Café 3.600 Forint (ca. 11 €) kostete. Aber man gönnt sich ja sonst nichts!
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Mit BigBus waren die wichtigen Budapester Sehenswürdigkeiten an einem Tag abgeklappert. Der Rest des Urlaubs verbrachten wir mit diversen Aktivitäten wie Shoppen, sich auf der Margareteninsel mit leckeren Pizzen für wenig Geld (3,50 € die Pizza) chillen, Bootfahrt auf der Donau, um den spektakulären Blick auf das beeindruckende Parlament zu erhaschen, „kreatives Essen“ mit Roseneis für 600 Forint (2 €), Fotos auf Facebook posten, denn fast überall in den Cafés war „free wi-fi“.
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Noch eine Geschichte zum Preis-Leistungs-Verhältnis in Budapest: Ich habe meinen Mann, der ein begeisterter Radfahrer ist, aber dessen Stärken nicht bei der Fahrradreparatur sind, in ein Fahrradgeschäft gedrängt.  Vor lauter Verlegenheit fragte er nach einem Speichenspanner, dessen Funktion er auf Englisch übersetzt versucht hat, aber erst die praktische Demonstration führte zum Erfolg. Wie schon erwähnt, ist er geizig und sagte dann prompt beim Preis von 8€, es wäre zu teuer. Der Mechaniker reagierte sofort, und bot eine Reparatur des Fahrrads für 5€ an. Wir hätten das Farrad mitnehmen sollen! Als Handgepäck.
Was uns ein wenig geärgert hat, war dass wir erst am letzten Tag herausgefunden haben, dass eine Ballet-Aufführung in der prachtvollsten ungarischen Staatsoper mit Neorenaissance-Architektur nur um 15 € kostet. An der Semperoper zahlt man mindestens das Dreifache.
Der Rückflug war am späten Abend gegen 20 Uhr. Wir haben nach dem Checkout unser Gepäck in einem Locker im Keleti-Bahnhof deponiert. 600 Forint für 24 Stunden. Im Vergleich: für 2 € kann man 1 Stunde in Aachen parken, vorausgesetzt man findet einen Parkplatz. So konnten wir noch den letzten halben Tag in Budapest verbringen, und zwar bürgerlich, nicht teuer,  ungarisch und sehr gutes Mittagessen beim Restaurant Paprika Vendéglő, Dózsa György út 72, etwa 15 Minuten zu Fuß von der Metro-Station „Heldenplatz“ entfernt.
Nicht weit vom Restaurant befand sich das Cat Café (Damjanich st. 38, Budapest 1071), wo man für ca. 1.600 Ft (5 €) „flat“ trinken kann und noch dazu ein Stück Kuchen, der beste Platz, um sich die Zeit bis zum Aufbruch Richtung Airport totzuschlagen. Der Kaffee schmeckte, die Hot Chocolate für unseren Geschmack zu süß, die Limonade erfrischend und die Katzen einfach süß – für unsere Tochter, denn wir waren eher mit dem „posten“ unserer Urlaubsfotos beschäftigt, da „free wi-fi“, versteht sich.
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Man muss einfach einmal in Budapest gewesen sein, um von dem Charme vergangenen Zeiten verzaubern zu lassen. Wir hätten das Schloss Gödöllő besuchen sollen. Sissi würde das ganze abrunden.
Vielleicht beim nächsten Mal.

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